Modelle einer neuen Integrations- und Baukultur
Modelle einer neuen Integrations- und Baukultur

In seinem Buch ‚Arrival City‘ beschreibt Doug Saunders die Chancen, die sich aus den weltweiten Flüchtlingsbewegungen meist vom Land in Richtung Stadt ergeben – abseits von den häufig dominierenden Katastrophenszenarien. Die IBA Thüringen hat sich zum Ziel gesetzt, diesem urbanen, zentralisierenden Trend eine Alternative entgegenzusetzen. Mit STADTLAND beschreibt sie den Freistaat Thüringen als ein dezentrales, leistungsfähiges Netzwerk, das sowohl vom Potential städtischer als auch ländlicher Qualitäten profitieren kann.

Mit ‚Arrival STADTLAND‘ (Ankunft STADTLAND) suchen wir daher in ganz Thüringen nach geeigneten Orten des Ankommens und Bleibens für eine neue Generation von Einwohnern, die aus dem Zuzug vieler Menschen aus den Krisenregionen dieser Welt resultiert. Der Leerstand zahlreicher ortsbildprägender Gebäude in den Städten und Dörfern, den wir als LEERGUT bezeichnen, bietet hierfür eine wertvolle Grundlage. In sozialer Verantwortung und mit Blick auf die Chancen, die sich daraus ergeben, den demografischen Veränderungen in unserem Land aktiv zu begegnen, suchen wir Menschen, Orte und Ideen für das Ankunftsland Thüringen. 

Das Projekt ‚Arrival STADTLAND’ wird durch die Robert Bosch Stiftung gefördert.

Best practice: Das Grandhotel Cosmopolis in Augsburg versteht sich als soziale Plastik. Dieses Projekt verwandelte ein leerstehende Immobilie in ein Hotel für Menschen mit und ohne Asyl. Hier treffen sich Reisende aller Art. Foto: Alexander Kohler

Die Sozialgenossenschaft ‚Bellevue di Monaco’ erwarb drei leerstehende Häuser im Zentrum Münchens, die lange als unsanierbar galten und abgerissen werden sollten. Nun entsteht hier ein Zentrum für junge Geflüchtete, mit Wohnungen, einem Café und Unterrichtsräumen. Foto: goldgrund.org

Das ‚Grand Budget Hotel Magdas’ in einem ehemaligen Seniorenheim in der Wiener Innenstadt wurde mit einfachsten Mitteln zu einem 80-Betten-Hotel umgebaut. Es bietet heute 26 Mitarbeitern aus 14 Nationen Arbeit. Foto: Paul Kranzler

Das Projekt ‚Vinzirast’ in Wien besteht aus zehn Wohneinheiten, in denen Obdachlose und Studierende gemeinsam wohnen. Das Dachgeschoss mit einer großzügigen Dachterrasse wurde als Gemeinschaftsraum entwickelt, im Erdgeschoss befindet sich ein orientalisch-europäisches Restaurant und Café, das von den Bewohnern des Hauses betrieben wird. Foto: Kurt Kuball

Das kleine süditalienische Dorf Riace litt lange unter erheblichem Bevölkerungsrückgang. Als 1998 am Strand von Riace ein Boot mit 218 kurdischen Flüchtlingen strandete, erkannte der Bürgermeister die Chance und setzte einen einzigartigen Prozess der Willkommenskultur in Gang. Heute leben in Riace ca. 1400 einheimische Bürger und etwa 300 neue Bürger zusammen. Foto: Marcuscalabresus