20. April 2015

Ein Stadtteil hört auf: Suhl-Nord

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Schon weg - noch da: Ausgedünnter Stadtteil Suhl-Nord. Fotos: Thomas Müller

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Einer der privatisierten Plattenbauten in Suhl-Nord

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Sanierter Plattenbau im Wohngebiet in der Aue

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Vor dem alten Rathaus in Heinichs (v.l.: Marta Doehler-Behzadi, Geschäftsführerin der IBA Thüringen, Norbert Walther, Amtsleiter Bau- und Stadtentwicklungsamt Suhl, Bernhard Heitele, Projektleiter der IBA Thüringen, Klaus Lamprecht, 1. Beigeordneter und Bürgermeister Suhl)

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Das Podium der Abendveranstaltung im Suhler Rathaus (v.l.: Ralf Heymel, Geschäftsführer der GeWo mbH Suhl, Helmut Hellmann, Vorsitzender Wohngebietsbeirat Suhl-Nord, Hendrik Neukirchner, Projektleiter Provinzkultur e.V., Jens Triebel, Oberbürgermeister Suhl, Marta Doehler-Behzadi, Geschäftsführerin der IBA Thüringen)

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Diskussion bei der Abendveranstaltung
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Oberbürgermeister Triebel sieht den Abriss als wichtige Entscheidung zugunsten der Entwicklung anderer Stadtteile. Der könne jetzt nicht auf halber Strecke gestoppt werden, dafür sei schon zu viel geschehen. Der Plan gehe nur auf, wenn das ganze Gebiet „eingespart“, der Standort beendet werde.

Das Konzept scheint zu funktionieren, die Innenstadt von Suhl wirkt auffallend lebendig, auf dem Markt stehen die Leute Schlange für Eiernudeln aus der Rhön. Ohne die Verdichtung böte sicher ein anderes Bild. Tatsächlich werden wieder neue Wohngebiete erschlossen und der Bestand aufgewertet, zum Beispiel an der zentrumsnahen Aue, wo die GeWo Wohnblöcke hochwertig saniert. Noch ist der Bestand der GeWo zu groß, als dass sich Neubau lohnen würde. Anders bei der AWG, die bereits vereinzelt neu baut, allerdings zu stattlichen Mieten. Gleichzeitig putzt die Stadt den Ortsteil Heinrichs zu einem schmucken Denkmalensemble heraus.

Und was bleibt von Suhl-Nord?

Oberbürgermeister Triebel holt aus und kritisiert die übliche Planungspraxis. Trotz sinkender Bevölkerungszahl steige in Deutschland der Flächenverbrauch. Die Umnutzung von erschlossenen Flächen lohne sich nicht, daher würden Gewerbeparks immer noch auf der grünen Wiese und oftmals auf wertvollem Ackerland angesiedelt, auch wenn bereits versiegelte Flächen andernorts zur Verfügung stünden. Er fordert mehr Flächenrecycling statt Landschaftsverzehr. Rund 10% von Suhl-Nord sollen daher in ein Gewerbegebiet umgewandelt werden. Die Infrastruktur, die Leitungen unter der Erde sind erhalten, ein erster Betrieb konnte bereits angesiedelt werden. Das übrige Gelände soll teilweise renaturiert, ein Gürtel für Energiegewinnung genutzt werden und ein kleiner Teil als Siedlungsfläche erhalten bleiben.

Zunächst muss aber der – nicht unumstrittene – Rückbau abgeschlossen werden. Eine Fraktion im Stadtrat hat bereits einen Antrag auf Abrissstopp gestellt. Entsprechend kontrovers verlief die öffentliche Abendveranstaltung der ‚IBA on tour’ im Suhler Rathaus. Und nur wenige Tage nach unserem Besuch beschloss der Stadtrat einen Aufschub der "Umnutzung", wie es heißt, bis 2035.

Der Abriss eines ganzen Stadtteils in dieser Dimension sucht in Deutschland seinesgleichen. Er wäre ein spannendes Vorbild und ein interessanter Erfahrungsschatz, wenn er von der Bevölkerung getragen und innovativ gestaltet würde. Denn, wie Oberbürgermeister Triebel bemerkt: „Es gibt einige Städte wie Suhl.“