01. April 2015

Ideen gegen Leerstand und Fachkräftemangel: die IBA unterwegs im Landkreis Greiz

tmue20150305a131.jpg

tmue20150305a131.jpg
‚Greiz ist geil’. Fotos: Thomas Müller

tmue20150305a006.jpg

tmue20150305a006.jpg
Talsperre bei Zeulenroda

tmue20150305a036_0.jpg

tmue20150305a036_0.jpg
Dieter Weinlich, Bürgermeister der Stadt Zeulenroda-Triebes, erläutert Konzepte gegen den Fachkräftemangel

tmue20150305a129.jpg

tmue20150305a129.jpg
Musterprojekt "Initiative Wohnstandort Innenstadt"

tmue20150305a062.jpg

tmue20150305a062.jpg
Hanfaufschlussanlage Läwitz

tmue20150305a061.jpg

tmue20150305a061.jpg
Rene Kolbe demonstriert die Reißfestigkeit der Hanffasern

tmue20150305a157.jpg

tmue20150305a157.jpg
Atomuhr auf der Osterburg Weida

tmue20150305a175.jpg

tmue20150305a175.jpg
Öffentliche Abschlussdiskussion im Balkensaal der Osterburg Weida mit (vl) Heinz Klügel, 1. Beigeordneter der Greizer Landrätin, Dieter Weinlich, Bürgermeister von Zeulenroda-Triebes, Dr. Marta Doehler-Behzadi, Geschäftsführerin der IBA Thüringen, Dieter Obenauf, Greizer Stadtplaner und Moderator Marian Riedel.
1 / 12

Läwitz: Schokolade aus Hanf, wirklich?

Hier wird ein Werkstoff für den Automobilbau verarbeitet. Ein Ausgangsmaterial für Karosserien, leicht wie Karbon und mit besseren Crash-Eigenschaften. Ein vielseitiges Öko-Material, das sich als Bau- und Dämmstoff verwenden lässt, als Lebensmittel, für Öle, selbst in eigenwilliger Schokolade: Hanf. Im "Hanfpavillon Läwitz" erklärt uns Rene Kolbe die vielseitigen Verwendungsmöglichkeiten des Naturproduktes. Die Vogtlandfaser GmbH betreibt hier eine der ersten Faseraufschlussanlagen Deutschlands, ein Verfahren, bei dem das getrocknete Hanfstroh zwischen Fasern und den holzigen Schäben getrennt wird.

Der Betrieb steht auf dem Gelände eines alten VEB Schweinezuchtbetriebes, der wegen veränderter Auflagen zum Trinkwasserschutz geschlossen werden musste und eine neue Nutzung brauchte. Die Betreiber entschieden sich für den Anbau von Hanf, der erst seit 1996 in Deutschland zugelassen ist. Entsprechend experimentell war die Anfangszeit. Anbau und Verarbeitung mussten erst erlernt werden, auch die Umstände, dass viele konventionelle Maschinen aus der Landwirtschaft bei Hanf versagen. Heute bestellt die Vogtlandfaser GmbH ca. 250 ha eigene Fläche für den Hanfanbau und kauft darüber hinaus weiteres Material zu, um die Faseraufschlussanlage auszulasten.

Der Betrieb ist ein Beispiel für den Wandel in der Landwirtschaft. Er produziert nicht für die allgemeine Lebensmittelwirtschaft, sondern dringt mit seinen technischen Naturmaterialien in eine spezielle Nische. Die Prozesse sind hoch spezialisiert, die Maschinen zumeist Sonderanfertigungen. Der Betrieb hat sich inzwischen erfolgreich etabliert und verfügt über einen festen Kundenstamm in der Automobilindustrie und der Bauwirtschaft. Die Zeit des Experimentierens sei aber noch nicht vorbei, erklärt Kolbe. Es gebe noch großen Spielraum bei der Optimierung der Produktion und bei der Überzeugungsarbeit der Kunden. Diese müssten sich erst noch an andere Standards und Toleranzen bei Naturmaterialien gewöhnen.

Weida: Eine neue Zeit

Was macht eine Atomuhr in einem mittelalterlichen Schloss? Sie kündigt die Zukunft an. So jedenfalls sieht man es in Weida. Hier steht seit fast 900 Jahren die Osterburg, der Stammsitz der Vögte, nach denen das Vogtland benannt ist. Eine stolze, gut erhaltene Anlage mit großer Vergangenheit – und fast keiner Gegenwart. Die Burg ist nahezu unbekannt, touristisch kaum erschlossen. Und sei doch größer und wichtiger gewesen als die beliebte Leuchtenburg, meint der Bürgermeister Werner Beyer. Ein großes Imageproblem, das ein finanzielles Problem nach sich zieht. Trotz der äußerlich vollständigen Sanierung liegen die laufenden Kosten bei 150.000 Euro im Jahr, viel Geld für die kleine Gemeinde mit unter 9000 Einwohnern. Und damit ist noch keine Nutzung bezahlt, die den Aufwand rechtfertigen und eine Zukunft weisen würde.

Da ist die Atomuhr der rechte Anlass, einen Weg für die Zukunft der Burg aus der jüngeren Geschichte zu finden.

Seit 1943 befand sich der Hauptsitz der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt für zehn Jahre in Weida. Daraus entwickelt die Stadt ein Nutzungskonzept für die Burg als Museum und Bildungsort. „Unter dem Motto ‚Kinder auf die Burg’ wollen wir Schüler aus Thüringen, aber auch Bayern und Sachsen spielerisch für Naturwissenschaften und Technik begeistern“, sagt Bettina Gunkel, Mitarbeiterin der Stadtverwaltung Weida. Ein eindrucksvolles Ausstellungsstück ist schon gefunden: die einzige Atomuhr der DDR, die unter abenteuerlichen Umständen wieder aufgefunden und in Betrieb gesetzt wurde.

Das Nutzungskonzept ist auf dem Weg, jetzt fehlen nur noch die Fördermittel von rund 5 Millionen Euro. Bis dahin - nicht untätig - findet schon mal die erste Ausstellung mit der Atomuhr statt, Titel: "Der Osterburg Zeit geben".