IBA Campus 2018

IBA Campus 2018 -
'Hotel Egon'

Ort 
Eiermannbau Apolda
Auenstraße 11
99510 Apolda
Deutschland
Ansprechpartnerin

Projektleiterin Katja Fischer
katja.fischer@iba-thueringen.de

IBA Campus 2018 - Hotel Egon

Ideen zur Aktivierung des Eiermannbaus

 

Kunstprojekt ‚Hotel Egon’ eröffnet:
Eiermannbau Apolda wurde von jungem IBA Campus-Team in zwei Wochen für zukünftige Besucher und Gäste weitergebaut.

Der Egon-Eiermann-Bau ist eine Ikone der Industriemoderne und das einzige Gebäude des Architekten Egon Eiermann in Thüringen. Ab 1907 bis Mitte der 1930er Jahre befand sich hier die Weberei Borgmann, nach Erweiterung und Umbau wurden ab Ende der 1930er Jahre bis 1994 Feuerlöscher am Standort produziert. Danach stand die Immobilie lange leer. 2014 wurde der Eiermannbau als Kandidat der Internationalen Bauausstellung (IBA) Thüringen nominiert. Unter dem Leitbild ‚Open Factory’ entsteht hier ein vielfältig genutzter Standort aus Manufakturen, Studios, Atelier- und Veranstaltungsflächen. Die IBA Thüringen ist im Mai 2018 als erste Nutzerin in den Eiermannbau eingezogen. 2019, im Zwischenpräsentationsjahr der IBA Thüringen und zum 100-jährigen Bauhausjubiläum, wird hier eine zentrale IBA Ausstellung gezeigt. Was dafür fehlt sind Aufenthaltsangebote für Gäste und Besucher.

Mit dem IBA Campus 2018 vom 5. bis 19. August sollten dafür Ideen entwickelt und direkt realisiert werden. Der Campus ist ein Format der IBA Thüringen. Er findet jährlich an/zu einem der IBA Projektstandorte statt, 2016 in Kooperation mit der Wüstenrot Stiftung schon einmal im Eiermannbau. Das Team um Belius und raumlaborberlin entwickelte damals das heutige Entwicklungsleitbild ‚Open Factory’ und Nutzungsszenarien.

2018 haben wir das europäische Gestalternetzwerk Constructlab unter der Leitung von Alexander Römer dazu eingeladen, den Campus als 14-tägigen DesignBuild-Workshop mit uns durchzuführen und dabei eine Basisinfrastruktur für Gäste des Ortes zu schaffen. Constructlab ist eine Plattform für kollaborative und experimentelle Projekte, bei denen die Designer mitbauen. Objekte werden live vor Ort entwickelt und umgesetzt, ähnlich der historischen Bauhütte. So entstehen interdisziplinäre Dynamiken, eine intensive Kultur des Austauschens und voneinander Lernens.

Der IBA Campus war ergebnisoffen und interdisziplinär angelegt. Die rund 50 Teilnehmenden, Studierenden und Young Professionals aus dem kreativen Bereich arbeiteten in kleinen Teams aus zwei bis acht Personen in den Werkstätten Hotelzimmer, Möbel, Stoffe, Nachbarschaft und Vermittlung, Grafik und Illustration, Geschichten, Film und Küche. Die Werkstätten sind auch eine Reaktion auf die Geschichte Apoldas, einer typischen thüringischen Kleinstadt mit sinkenden Einwohnerzahlen, die jedoch lange Zeit eine Hochburg der Textilproduktion war. Die Werkstätten waren aber auch eine Nutzungsstrategie, für die in Zukunft der Eiermannbau als Open Factory stehen könnte. Teil des 14-köpfigen Werkstattleiterteams waren u.a.: Jan Körbes, Gründer von REFUNC, der Innenarchitekt Patrick Gregor Hubmann, die Designerinnen Anna Zeitler und Johanna Padge, die Künstlerin Irene Fernandez Arcas, der Autor Shane Anderson, die Architekturjournalistin Riccarda Cappeller sowie das Filmteam um Fred Plassmann von OFFscreen. Regelmäßig fanden Inputs von weiteren Experten aus nah und fern statt. Das gesamte Team schlief und arbeitete während des IBA Campus vor Ort und nutzte selbst den Eiermannbau in ganz besonderer Weise probe.

Über 20 Prototypen sind während des IBA Campus entstanden, wobei maßgebliches Arbeitsprinzip das respektvolle ‚Weiterbauen’ des Denkmals Eiermannbau war. Aus der Umgebung, von Nachbarn, Bekannten und Wertstoffhöfen wurden auch wiederverwertbare Materialien eingesammelt und weitergenutzt. Um die Möbel und Zimmer nachhaltig und wertig produzieren zu können, wurde außerdem dank der Unterstützung der Pollmeier Massivholz GmbH & Co. KG mit Buchenholz gearbeitet. Die Festool GmbH stellte dem Campus-Team Arbeitsgeräte zur Verfügung und schulte die Werkstätten Möbel und Hotelzimmer in der richtigen Handhabung.

Die entstandenen Objekte sind dem Open Source Gedanken verpflichtet. Sie können, in weiten Teilen, ohne spezifisches technisches Können nachgebaut werden. Im Eiermannbau stehen sie ab sofort und insbesondere im Jahr 2019 für Gäste und Besucher der Architekturikone zur Verfügung. So ist beispielsweise die Möbelserie Domino aus Sofa, Liegestuhl, Bank und mobilem Spind für alle Bereiche im Gebäude und dem Grundstück nutzbar. Auch übernachtet werden kann ab sofort im Eiermannbau; im mobilen Zeltbett, auf beweglichen Betten in Egons Wandelkammern oder aber im Hochbett des ehemaligen Küchenlagers. Daneben ermöglicht ein temporärer Vorhangraum ab sofort diverse Nutzungen in den einzelnen Hallen, die alle durch ein regelmäßiges Stützenraster gegliedert sind: ob Pop-up Kino, Miniklausur, Mittagsschläfchen – vieles ist hier möglich.

Am Samstag, dem 18. August 2018, wurden die fertigen Objekte über 250 Gästen präsentiert. Einfache Objektbeschreibungen luden zum Probieren, Nachmachen und einem nächsten Besuch im Eiermannbau ein.


Mit dem IBA Campus gründete die Internationale Bauausstellung Thüringen ein interdisziplinäres Kollektiv auf Zeit. In einem Team arbeiten wir an einem unserer IBA Projekte in Thüringen. 2016 fand der erste IBA Campus zum Eiermannbau Apolda in Kooperation der IBA Thüringen und Wüstenrot Stiftung statt. 2017 haben wir am Standort Kannawurf gearbeitet und als Aufgabe die '(Er)findung einer Landschaftstypologie des 21. Jahrhunderts' gestellt.