Region Seltenrain

Region Seltenrain, Gesundheitskioske

Gesundheitskioske: Kooperative Vorsorge auf dem Land

»Die Idee der Gesundheitskioske behandelt das Kernthema des ländlichen Raumes, die Versorgungssicherheit, und soll auf niedrigschwelliger Ebene, Kontext bezogen und situativ, mit Hilfe programmatischer Kombinationen, ein Aufbruch vermittelndes Bild eines neuen Typus von sozialer Infrastruktur erzeugen.«
Prof. Kerstin Schultz, Fachbeirätin IBA Thüringen

Die gemeindeübergreifende Stiftung Landleben und der Verein Landengel e.V. wollen ein neues Gesundheits-, Pflege- und Versorgungsnetzwerk in der Dorfregion Seltenrain aufbauen. Dazu gehören ein Landzentrum mit Kita, Tagespflege sowie verschiedenen Gesundheitsangeboten und Dienstleistungen unter einem Dach sowie Gesundheitskioske als Anlaufstelle und dezentraler Treffpunkt für Versorgungsfragen und Beratungen in den beteiligten Orten. Die Region Seltenrain wird damit zum Modellfall für die Vorsorge auf dem Land und zeigt, dass in Zeiten des demografischen Wandels gute Angebote für mehr Lebensqualität auch abseits der Stadt mit der Hilfe engagierter Akteure möglich sind.

Design Manual Gesundheitskioske

Das Konzept Gesundheitskioske hat das Ziel, nicht nur Gesundheitsdienstleistungen anzubieten, sondern soziale Isolation zu vermeiden und die Pflege, Altenhilfe und das Wohlfahrtswesen in ländlichen Regionen zu ermöglichen. Mit Unterstützung der Stiftung Landleben wurde im Jahr 2017 dazu der Verein Landengel e.V. gegründet, der seit 2019 Hilfestellungen und regelmäßige Sprechstunden in räumlichen Provisorien in den Gemeinden organisiert.

Um diese neue soziale Infrastruktur als ein Leitsystem zur Versorgung räumlich sichtbar zu machen, wurde im Rahmen von Tischgesprächen der Vorschlag entwickelt, die zukünftigen Gesundheitskioske an den zentralen Bushaltestellen der Gemeinden anzudocken. Im Auftrag der IBA Thüringen erarbeitete Pasel-K Architects aus Berlin dazu ein Design-Manual, dass die maximal 25 qm großen Kioske je Gemeinde als architektonische Familie begreift, die trotz unterschiedlicher Standorte ein zusammenhängendes Ganzes bilden. Sie dienen jeweils als Beratungsraum genauso wie als zuschaltbaren Wartebereich für den Bus und haben eine Toilette integriert. Als hochwertige Holzkonstruktion ausgeführt, wird die Bauweise je Standort und Gemeinde individuell erfolgen, um gleichzeitig neue Wege Thüringer Holzbaukulturen vorzustellen.

Konzipiert als Unikate und Holzexperimente im Kleinformat werden die Gesundheitskioske zukünftig einen wichtigen Beitrag zu den Möglichkeiten einer innovativen Hozbaukultur ›Made in Thüringen‹ leisten.

Als lokale Versorgungsstellen in den umliegenden Gemeinden knüpfen die Kioske zukünftig räumlich an die Bushaltestellen an und ermöglichen so eine gute Erreichbarkeit. Als Informations-, Beratungs- und Lenkungsstelle sind die Gesundheitskioske die kleinste Einheit zwischen sozialer Infrastruktur und Gesundheitsvorsorge in den Dörfern: Sie sind soziale Anlaufstelle sowie Treffpunkt und Mittler zwischen Beratung, Pflege und ambulanter Versorgung gleichermaßen.

Umsetzung als IBA Bauhüttenprozess

Seit Juni 2021 ist das Projekt in einer neuen Phase angekommen. Mit Mitteln zur Förderung von Einrichtungen für lokale Basisdienstleistungen wird gemeinsam mit Pasel-K Architects an der architektonischen Umsetzung des neuen Versorgungsnetzwerks in den Gemeinden Blankenburg, Bruchstedt, Kirchheilingen und Urleben gearbeitet. Im September 2021 hat der IBA Fachbeirat empfohlen, den Gesundheitskiosken in der Region Seltenrain den Status eines IBA Projektes zu verleihen.

Das neue Versorgungsnetzwerk für die Region Seltenrain sieht eine Vernetzung der Gemeinden Blankenburg, Bruchstedt, Kirchheilingen und Urleben vor, die jeweils als Standort für die architektonische Umsetzung der Gesundheitskioske fungieren. Ergänzt wird dieses Netzwerk um ein zentrales Landzentrum in Sundhausen sowie einen weiteren Versorgungsstandort in Tottlleben.

Für die Umsetzung der ›Gesundheitskioske‹ wird die Entwicklung innovativer Bauprozesse angestrebt: Planung und Umsetzung erfolgen im Bauhüttenprozess mit offenem Baubüro, wodurch lokale Potenziale aktiviert werden. Die Gesundheitskioske werden so zum Modellprojekt für ländliche Bauprozesse.

Die Planung und Umsetzung der Gesundheitskioske versteht die IBA als Bauhüttenprozess mit offenem Baubüro. Im Wintersemester 21/22 wird ein Design-Build Prozess der TU Berlin andocken, der wiederum den Ausbau der Bauhütte gemeinsam mit Studierenden und Auszubildenden zum Ziel hat. Um die Gesundheitskioske als Orte des Gemeinwohls zu etablieren und ihnen Wertigkeit und Wertschätzung zu verleihen, ist nicht nur eine gute und nachhaltige Gestaltung sondern auch ein integrativer und sichtbarer Entwicklungsprozess sinn- und identitätsstiftend.

Projektprozess 
IBA Fachbeirat empfiehlt Projektstatus für die ›Gesundheitskioske‹
03. September 2021

IBA Fachbeirat empfiehlt Projektstatus für die ›Gesundheitskioske‹

Design-Manual für ›Gesundheitskioske‹ erstellt
10. Dezember 2019

Design-Manual für ›Gesundheitskioske‹ erstellt

Landengel e.V. wird IBA Kandidat
30. September 2018

Landengel e.V. wird IBA Kandidat

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Ort 
Kirchheilingen
Deutschland